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Melbourne: 30.01- 3.02.02
Australien ade, Scheiden tut weh... In der Tat fiel mir der Abschied von Australien recht schwer. Im Hinterkopf wälzte ich immer wieder mal die Möglichkeit, vielleicht doch noch von meinem Rückflugticket
Gebrauch zu machen, um ins Aussi-Land zurückzukehren. Am 29. Januar nahm ich Abschied von Martin in Hobart, um mit der "Spirit of Tasmania" zurück auf das Festland zu schippern. Meine Freude war riesig, als ich Sharon, Russel, Casey und Finn, denen ich so manches Mal in Tasmanien begegnete, hier in Melbourne wiedersehen durfte. Und, ich konnte es immer noch kaum fassen, sie luden
mich ein, während meines Aufenthaltes in Melbourne, bei ihnen zu wohnen. Sharon, Russel und ihre 2 Kinder wohnen in Newport, einem Vorort von Melbourne, der mehr dem Charakter eines Dorfes entspricht und
nicht zuletzt wegen seiner optimalen Anbindung an die City als Wohnort sehr beliebt ist. Dort bewohnen sie ein schmuckes Haus mit kleinem gemütlichen Garten, in welchem sich die Kinder mit Vorliebe auf einem
Riesentrampolin vergnügten, während Tiger, ein stattlicher Greyhound, der sich nach anstrengenden Jahren als Rennhund im verdienten Ruhestand befand, faul in der Ecke strackte. Von der ersten
Sekunde an fühlte ich mich sauwohl bei Sharon und Russel. Sie zeigten mir, wo die Lebensmittel waren, wie ich den Computer in Gang setzen könne, wie die Stereoanlage funktionierte, drückten mir den Haustürschlüssel in
die Hand und forderten mich auf, mich in ihrem Haus völlig frei zu bewegen. Von soviel Gastfreundschaft und Vertrauen war ich ziemlich geplättet! Melbourne zeigte sich mir diesmal von einer völlig
anderen Seite, wobei ich jedoch auch diesmal mit dem Fahrrad so manche Ecke der Großstadt abradelte. Einmal besuchte ich den Zoo, der mich durch seine größtenteils artgerechten Gehege recht
beeindruckte. Weniger artgerecht empfand ich es jedoch, als bei meinem Zoobesuch direkt neben dem Löwengehege lautstark Popmusik der 60-Jahre ertönte, da die Zooverwaltung im Bestreben, den Zoo für die
Bevölkerung noch attraktiver zu machen zu Live-Musikevents am Abend einlud. Das Angebot schien auch sehr gut angenommen zu werden, denn in Festivalmanier tummelten sich die Leute zu Hunderten auf einem großen Rasen,
schlürften Sekt, Bier und Wein, knabberten an mitgebrachten Häppchen und lauschten der dargebrachten Sangeskunst. Nur von den Viechern im Zoo schien keiner etwas wissen zu wollen. Das war gut für mich, denn so konnte
ich recht ungestört die Tiere, die meist erst zur Abendstunde so richtig aktiv werden, in aller Ruhe und Ausgiebigkeit bestaunen. Nur die Koalas schienen auch in den Abend hinein, trotz lauter Popmusik um die Ohren,
ihren Schlaf genießen zu können. Als sich dann Gewitterwolken, die sich schon vor einer guten Weile zusammengebraut hatten, lautstark mit sintflutartigem Regen entluden, war plötzlich wieder Ruhe im
Karton. Die Tiere konnten wieder aufatmen, während die Besucher teilweise mit über den Kopf gehaltenen Plastiktüten den Ausgängen zustrebten.
Auch in der Fußgängerzone von Melbourne gab es einiges zu entdecken. Ein weißer indischer Sadhu mit Rastahaar besang in eindrücklich-betörender Weise den Weltuntergang, während eine Truppe der
Polizei Frank Sinatras "New York, New York" aufleben ließ. Dabei tanzten die uniformierten Musiker und Musikerinnen - nach dem Motto: Wir sind alle eine große Familie! - Seite an Seite mit Menschen, die
eher am unteren Ende des sozialen Spektrums angesiedelt schienen. Eine tolle Public Relation, wie ich sie mir auch für die deutsche Polizei wünschen würde. Bei Sharon und Russel wurde ich auch in
kulinarischer Hinsicht auf das Beste verwöhnt! Besonders in Erinnerung bleibt mir dabei der Abend mit japanischem Sushi und australischem Wein, bei welchem auch Halia und Chris, zwei Freunde von Sharon und Russel
zugegen waren. In Melbourne nahm ich auch die Gelegenheit wahr, 12 kg Gepäck, das ich in Asien nicht mehr benötigen würde (Schlafsack, Zelt, Isomatte, Kocher und Geschirr), auf die große Reise nach
Deutschland zu schicken. Als mich Russel am Abend des 3. Februars auf den Flughafen brachte, war wieder einmal Abschiednehmen angesagt. Singapur: 04.02. - 06.02.02In Windeseile gelangte ich per Flieger nach Singapur,
wo ich erst einmal wieder mein Fahrrad, welches für die Flugreise in einem Karton zerlegt war, zusammenbauen musste. Mein erster Eindruck von Singapur war: Heiß, heiß, heiß! Während es schon in
Australien recht warm war, kam nun auch die Dimension "Luftfeuchtigkeit" hinzu. Kurzum: Es war so schwül, so dass man das Gefühl hatte, die Wolken würden am Boden streifen. Singapur war hat mir
recht gut gefallen! Auch auf die Gefahr hin, dass ich als unverbesserlicher Vielfraß dastehe, muss ich zuerst einmal die vielseitigen fleischlichen und pflanzlichen Genüsse der Stadt lobend erwähnen. Nach der Devise
heute "thai", morgen "chinesisch" und übermorgen "indisch" vesperte ich mich durch das reichhaltige kulinarische Angebot der Millionenstadt. Singapur verdient seinen
Namen als sauberste Stadt der Welt wohl zurecht, denn nicht ein einziges Papierchen oder Zigarettenkippchen konnte mein kurzsichtiges Auge erspähen. Das ist wohl dem Erfolg einer langangelegten
"Erziehungskampagne" zuzuschreiben, denn als ich vor ungefähr 10 Jahren in dieser Stadt weilte, waren die Straßen mit Verbotsschildern, durch welche die unsachgemäße Entsorgung einer einzigen Zigarettenkippe
mit einer Geldstrafe von ca. 250 € angedroht wurden, reichlich übersät. In Singapur mit dem Rad herumzudüsen, war Vergnügen pur. Mal kreuzte ich eine 5-spurige Allee, fuhr durch ausgedehnte Grünanlagen
oder umkurvte zwischen Wolkenkratzern auf verschlungenen Pfaden mannigfaltige Blechlawinen, die sich zur Rushhour auf den Straßen von Singapur im Stau versammelt hatten. Singapur bedeutet
auch immense Kulturvielfalt. Neben der indischen Betriebsamkeit in "Little India", wo man alles bekommen konnte, was das indische Herz begehrt, gab es in Chinatown (vielleicht mit Ausnahme der Großen Mauer)
alle möglichen und unmöglichen Errungenschaften aus dem Reich der Mitte. Und in der Orchard Road, der Hauptgeschäftsstraße von Singapur, gab es all das, was in westlichen Kulturmetropolen als
"en vogue" gilt. Auf der Insel Sentosa im Süden Singapurs konnte man ein Bad an einem der künstlich erstellten Sandstrände genießen (mit ausgezeichnetem Blick auf die vor Singapur liegenden
Frachtschiffe) oder bei einem Inselrundgang die vielfältigen Vergnügungs- und Unterhaltungseinrichtungen a là Disneyland bestaunen. Merlin, das haushohe Wahrzeichen Singapurs, ein Fabelwesen halb Fisch,
halb Löwe, blitzte dabei mit rötlichen Laseraugen in die Lande und ließ aus Lautsprechern fürchterregendes Löwengebrüll ertönen. Kota Tinggi (Malaysia): 7.02.02 - 72 km Das wurde aber auch Zeit! Nach längerer
Abstinenz hatte ich wieder mal mein Fahrrad aufgesattelt, um von Singapur aus nach Malaysien zu radeln. Ein Genuss, da sich die 12 kg Gepäck, die ich von Melbourne aus nach Hause geschickt hatte, stark bemerkbar
(bzw. nicht bemerkbar) machten. Auf Zelt, Schlafsack und Kocher kann man hier in Malaysia locker verzichten! Es ist heiss, die Hotels sind billig und das Essen ist mehr als gut. Das Knie,
das mir in Tasmanien einigen Kummer bereitete, ist nun wieder vollständig hergestellt, so dass ich - mein Glück kaum fassend - wieder herumhüpfen kann, als sei nie etwas gewesen. Trotz der Affenhitze von
immerhin 37 Grad ist das Fahrradfahren weitgehend problemlos möglich. Die Straßen sind in einem recht guten Zustand, der Verkehr ist gut gebändigt und das Land ist überwiegend flach.
Auch hier gilt wieder: je schneller, desto Wind! Es waren eher die Abgase, die mir zu schaffen machten. Von den 70 km, die ich von Singapur bis Kota Tinggi fuhr, waren 50 km stark smogbelastet. Kota Tinggi entpuppte sich als recht angenehme, gemütliche Kleinstadt. Leichte Probleme gab es, als ich versuchte zu der Adresse eines Hotels aus meinem Reiseführer zu gelangen, da die Richtungsangaben
der Einheimischen, die ich befragte, mehr als vage waren. Mit der rechten Hand wurde meist eine Bewegung vollzogen, die mehr einem Pinselstrich glich und sowohl recht, links, oben oder unten bedeuten konnte. Erschwerend
kommt hinzu, dass ein Fingerzeig in Malaysien als höchst unanständig gilt, so dass die Leute genötigt sind, mit abgeknicktem Daumen entsprechende Richtungsdeutungen vorzunehmen. Im übrigen beschränken sich die
Richtungsangaben sowieso meist nur bis zur nächsten Kreuzung, so dass bereits nach einigen Metern das Ratespiel erneut beginnen kann. Besonders interessant wurde es, wenn ich in einer Straße zwei unterschiedliche
Personen befragte und dabei in zwei unterschiedliche Richtungen geschickt wurde. In solch' einem Fall musste dann ein dritter Sachverständiger, der, nach demokratischem Mehrheitsrecht entscheidungsrelevant war,
herangezogen werden. Irgendwann kam ich dann jedenfalls doch noch zu meinem Hotel, in welchem ich eine recht freundliche und billige Bleibe fand. Freunde der irischen Braukunst
aufgemerkt! In Singapur und Malaysien gibt es Guinness buchstäblich an jeder Straßenecke zu kaufen. Dabei handelt es sich aber nicht um solch' läppriges Blubberwasser, wie wir es in Europa von der grünen Insel her
kennen, sondern um einen handfesten Stoff mit 8%igem Alkoholgehalt. Laut Auskunft meines Reiseführer ist Guinness hier in Malaysien vor allen Dingen als Medizin stark gefragt. In den Restaurants ist dabei so
mancher "Patient" mit glänzendem Blick und weit über den Tisch hängendem Kopf bei seiner Genesungskur anzutreffen. Dabei ist die Medizin, die pro Flasche so an die 3 € kostet, nicht gerade als billig zu
bezeichnen, vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass für denselben Betrag ein recht opulentes Mahl verspeist werden kann. Apropos Essen: Die Speisekarte offenbarte asiatische Leckereien wie Froschcurry,
gebackene Hühnerzehen, Fischkopfsuppe und anderes mehr, so dass ich schon mal rein präventiv zu einer Flasche "Medizin" griff. Eine zweite Flasche war fällig, als sich das Essen dann als so scharf
herausstellte, dass dringend ein Löschsatz zur Bekämpfung des Brandherdes benötigt wurde. Als ich später dann in meinem Hotel steinmüde ins Bett fiel, war nicht ganz klar, ob die Müdigkeit nun
eher von der Medizin oder vom Fahrradfahren herrührte. Mersing: 08.02.02 - 93 kmDer Tag fing ja schon gut an! Als ich nach augiebigem Schlaf und noch ausgiebigerem Frühstück (Curry mit Reis) endlich in die Startlöcher kam, machte mich der
freundliche Inder vom Kiosk neben dem Hotel darauf aufmerksam, dass der Reifen meines Hinterrades platt wie eine Flunder sei. Es half alles nichts, das Loch musste zugepappt werden. Obwohl sich ein paar Häuser weiter
ein Fahrradladen befand und dort platte Reifen sicherlich an der Tagesordnung waren, schien es jedoch um einiges attraktiver zu sein, einem bleichgesichtigen Fahrradfahrer bei seinem schweisstreibendem Tun zu
beobachten. Bald nämlich war ich von einem Dutzend interessierter Mitmenschen umlagert, die sich auf malayisch, malayalam oder sonst einer mir unbekannten Sprache, Kommentare zum Geschehen zuraunten. Dann endlich konnte es los gehen. 92 heiße Kilometer bis Mersing, dem Tor zur Insel Tioman warteten auf mich. Immerhin war es schon 11 Uhr am Vormittag, so dass ich mein Fahrrad direkt in die pralle Hitze
lenkte. Ich genoß es, wenn es mal bergab ging und der Fahrtwind mir etwas Linderung zukommen ließ - aber o Graus - bergauf begann der Schweiß wie in Bächen zu fließen. Unterwegs
bekam ich dann auch die ersten Affen zu Gesicht. Sie waren recht erschrocken als sie mich sahen, und ergriffen eilig die Flucht. Ob sie nun durch den ungewohnten Anblick meines bepackten Fahrrades oder durch
mein Äußeres in Angst und Schrecken versetzt wurden, kann ich leider nicht beurteilen. Natürlich durfte ich mich auch wieder mal an der bunten und vielfältigen Palette plattgefahrener Tiere
erfreuen. Da gab es einen exotischen, wie ein Gürteltier aussehenden Ameisenfresser (ich habe mich sachkundig gemacht) und etliche Schlangen unterschiedlichster Länge und Zeichnung. Känguruhs habe ich diesmal keine
gesehen! Unterwegs gab es auch ein richtiges Kulurprogramm. Neben mehreren Hindutempeln - wobei mir ein Tempel, der dem Elefantengott Ganesha geweiht war, besonders gut gefiel - gab es auch
viele kleinere Moscheen. Der Vorteil, dass ich so spät losgefahren war, war der, dass ich in die Kühle des Abends hineinradelte. Als ich dann nach 7 Stunden im Sattel und etlichen Colas,
die ich unterwegs in mich hineinschlürfte in Mersing ankam, war ich nicht nur heilfroh sondern auch ziemlich geschafft. Im "East Coast Guesthouse" fand ich beste Aufnahme. Überhaupt! Mersing
zeigte sich mir von seiner besten Seite! Die Leute waren überaus freundlich, es gab gutes Essen und ich lernte Marina aus Genua kennen, mit der ich die nächsten Wochen zusammen reisen sollte.
Pulao Tioman: 09.02. - 14.02.02Bereits am
nächsten Tag ging es in einer fast 3-stündigen galletreibenden Fahrt weiter zur Insel Tioman. Am Salang-Beach, am äußersten Rand der Insel fanden wir ein tropisches Paradies vor, wie man es sonst nur aus
Reiseprospekten her kennt. Palmen, weißer Sand, klares türkisblaues Wasser, bunte Korallen und noch buntere Fische, die sich mit meiner in Singapur gekauften Taucherbrille gut erschnorcheln ließen. Wir wohnten in
einfachen Holzbungalows direkt am Meer, Terasse und Hängematte inbegriffen. Am nächsten Tag unternahmen wir einen kleinen Erkundungstrip zum Monkey-Beach, der seinem Namen voll gerecht wurde. Wir wurden nämlich
auf dem einsam gelegenen Strand von einer Affenbande regelrecht ausgeraubt. ....naja, ganz so schlimm war es dann auch wieder nicht....doch immerhin mopsten die Affen unseren ganzen Vorrat an Keksen, den wir als eiserne
Essensreserve auf unsere Entdeckungsreise mitgenommen hatten. Auf Tioman blieben wir fast eine Woche. Da ich mich mit Marina bestens verstand, wollte ich gerne noch längere Zeit
mit ihr verbringen. Deshalb sagte ich meinem Fahrrad, das ich bei Anwar und Rocky im "East Coast Guesthouse" in Mersing sehr gut aufgehoben wusste, "adieu" und begab mich mit Marina auf eine Fahrt
per Bus entlang der Ostküste in den Norden von Malaysia. Kuantan: 16.02. - 17.02.02In Kuantan machte wir unseren ersten Halt. Dort wohnt nämlich Brita Pietschak, die manchem Aalener vielleicht noch als Brita Stanzel geläufig ist. Sie wohnt dort
schon seit 2 Jahren mit ihrem Mann Hans-Peter (der im Auftrag der BASF in Kuantan eine Fertigungshalle errichtet) und ihren 2 Söhnen Alexander und Hans-Christian. Mit Brita drückte ich bei unserem damaligen
Klassenlehrer Herrn Dr. Krause einst die mehr oder weniger harte Schulbank des Schubart-Gymnasiums in Aalen. Dass ich sie in Malaysia wiedersehen konnte, ist der Berichterstattung der Schwäbischen Post (Aalener
Tageszeitung) zu verdanken, die in ihrer Internetausgabe einen Bericht über meine Reise, sowie einen Hinweis auf meine Homepage brachte. Brita nahm Kontakt per E-mail zu mir auf ... and here we are!!
Gleich von Beginn an fühlten wir uns sehr wohl bei Pietschaks. Nicht nur nicht, dass wir ein erstklassiges Gästezimmer mit Klimaanlage und allem Brimborium bekamen, wir wurden auch sonst recht fürstlich bewirtet. Ein
besonderer Genuss war jedoch das gutbürgerliche deutsche Frühstück mit weichgekochtem Ei, richtigem Schwarzbrot und echtem deutschen Kaffee!! Mit Brita ließ ich noch einmal unsere gemeinsame Schulzeit
in Aalen aufleben und war recht überrascht, als sie ein Fotoalbum mit uralten Fotos aus der damaligen gemeinsamen Schulzeit herauskramte. "Wie hieß denn noch gleich..." sollte dabei ein nahezu abendfüllendes
Unterhaltungsquiz werden. Da es uns so gut bei Pietschaks gefiel, verlängerten wir kurzerhand unseren Aufenthalt um einen Tag und kamen so in den Genuss einer Sightseeingtour von Kuantan nach Cherating,
wo sich Resort an Resort reiht und wo sich Neckermänner und Club Mediterranéeler "Guten Tag" sagen. Die Strände dort waren herrlich und es war eine Freude sich im klaren, leicht kühlenden
Wasser tummeln zu können. Pulao Kapas: 18.02. - 19.02.02Am nächsten Tag nahmen wir Abschied von den Pietschaks und fuhren mit dem Bus nach Merang, von wo aus wir zu der recht kleinen Insel Pulau Kapas übersetzten.
Da die Touristensaison erst begonnen hatte und sich nur eine Handvoll Menschen auf der Insel befanden, kamen stellenweise durchaus robinsonische Gefühle auf. Kuala Terengganu: 20.02.02Nach zwei Tagen war wieder Tapetenwechsel angesagt.
Mit dem Bus fuhren wir nach Kuala Terengganu, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates. Terengganu gilt als recht konservativer Staat. Hier sieht man - anders als im Bundesstaat Pahang, in dem wir zuvor waren -
kaum Frauen ohne Kopftuch. Hier befindet sich auch die Hochburg der muslimischen Fundamentalisten, deren politischer Einfluß in Malaysia jedoch als recht gering angesehen werden kann. Doch scheint man
hier den fehlenden politischen Einfluss mit Lautstärke kompensieren zu wollen. Jedenfalls flogen wir morgens um 4 Uhr! fast aus den Betten, so laut schallte es von der ca. 100 Meter weit entfernten Moschee herüber. In
Gedanken stellten wir uns vor, wie der Muezzin, einem Gecko gleich, an der Außenwand des Hotels haftete, um uns Ungläubigen mit einer gigantischen Flüstertüte zur Umkehr zu rufen. Kaum waren die Rufe
der muezzinischen Lautsprecheranlage, die jeder Diskothek zu Ehren gereicht hätte, verschallt, als sämtliche Hähne Kuala Terengganus beschlossen, sich gegen uns zu verbünden. Doch damit nicht genug! Pünktlich um 8 Uhr
machten sich Bauarbeiter direkt vor unserer Tür mit lautstarkem Schlagbohrergeräusch an ihr Tageswerk. Zeit, aufzustehen! Kuala Terengganu erschloss sich uns besonders von der
kulinarischen Seite. Es gab ein schön am Fluss gelegenes Restaurant, in welchem man, einem Sultan gleich, auf einem Teppich herumflegeln und die servierten Kostbarkeiten von einem Tischchen aus in sich hinein träufeln
konnte. Leider schienen sämtliche Moskitos Malaysiens ebenfalls von dem Restaurant angetan gewesen zu sein, denn nur nach großzügigem Einsatz chemischer Kampfmittel gelang es uns, sie einigermaßen vom Leibe zu halten. Es ist erstaunlich, wieviel Früchte es außer den bei uns in Europa geläufigen, sonst noch so gibt. Ich kann leider mit keinen Namen aufwarten, doch probierten wir uns durch eine eindrucksvolle Palette
gelblicher, stacheliger und runzliger Früchte, die entweder bitter, sauer, pappsüß oder in einer abenteuerlichen Kombination all dieser Geschmacksrichtungen schmeckten. Pulao Perhentian: 21.02. - 25.02.02Von Kuala Terengganu aus ging es weiter nach
Kuala Besut, von wo aus wir zu einer der beiden Perhentian-Inseln fahren wollten. Da es in Kuala Besut keine Möglichkeit gab, Geld zu tanken, fuhren wir mit dem Taxi in das 10 km entfernte Jertih, wo der Geldautomat der
dortigen Bank sich jedoch schlichtweg weigerte, meine Geldkarte wieder auszuspucken. So ein Pech! Dazu war die Bank aufgrund von Feiertag und Wochenende für die nächsten paar Tage geschlossen. Gottseidank war
Marina kreditwürdiger als ich, so dass sie mich mit einem geliehenen Batzen Geld vor dem sicheren Hungerstod bewahrte konnte. Um in Malaysien Taxi fahren zu können, muss man übrigens nicht Bill Gates
oder Rothschild heißen. Für die 20 km lange Fahrt zum Geldholen mussten wir lediglich umgerechnet 5 DM, - Entschuldigung: 2,50 € ! -berappen. Die Pulau Kecil Perhentian (die "kleine Insel")
zeigte sich von ihrer allerschönsten Seite. Reiseprospektsmäßig hingen Palmen über weißem feinkörnigen Sand. Das klare Wasser wies, je nach Korallenlage und Sonnenstand ein breites Spektrum unterschiedlichster Blautöne
auf, wobei sie jedoch die Tendenz hatten, leicht ins Türkise überzugehen. Kurz gesagt: Ein Traum! Auch die Unterwasserwelt präsentierte sich von seiner farbenfrohesten Seite. Bunte Korallen und noch
buntere Fische schienen eine Art Wettstreit bezüglich ihres Farbspiels unter sich ausmachen zu wollen. Ein kurzer Dschungelpfad trennte Ost- und Westküste der Insel und ermöglichte es, innerhalb von nur
10 Minuten Strände mit unterschiedlichstem Charakter aufzusuchen. Während im Osten der Insel große Wellen sogar das Wellenreiten ermöglichten, plätscherte auf der Westseite das Wasser gemütlich vor sich hin und lud zum
Schnorcheln in den großflächigen Korallenfeldern ein. Ganze 6 Tage hielten wir es auf der Insel aus, ohne im Wesentlichen etwas Wesentliches - außer Baden, Schnorcheln, Lesen, Essen und Rumflacken -
getan zu haben. Kota Bharu: 26.02. - 27.02.02Nachdem ich glücklicherweise meine Geldkarte bei der Bank ohne Probleme wieder einsammeln konnte (und mich von nun an wieder als liquide bezeichnen durfte), fuhren wir mit
dem Taxi in das 60 km entfernte Kota Bharu, von wo aus wir 2 Tage später einen Flug nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysiens, haben sollten. Kota Bharu ist vor allen Dingen bekannt wegen seines
"Nightmarkets". Wie von Geisterhand wird täglich ein ansonsten recht reizloser Platz gegen Abend in ein Gewirr von Ständen mit erlesenen Köstlichkeiten verwandelt. Komplette Garküchen mit umfassender
Bestuhlung und obligatorischem Fernseher tauchen wie aus dem Nichts auf. Zwischen lärmenden Generatoren und lautstark abgespielten Popsongs der CD- und DVD-Verkaufsstände, drängten sich die Menschenmassen durch
Geruchswolken aus gebratenem Fisch, Geflügel, Fett, Knoblauch und Räucherwerk. Interessant war auch der Besuch in einer chinesischen Apotheke. Aus vielen Schubladen wurden die Mixturen exotischster
Wurzeln und Gräser nach der Rezeptur von Marinas Arztes in Italien zu einem Heiltee zusammengetragen. Nach über einer Stunde geschäftiger Betriebsamkeit und eifrigen Wiegens wurden wir dann schließlich mit einer großen
Plastiktüte die 1 kg Tee enthielt (gerade mal gut für 10 bitterschmeckende Anwendungen), aus der Apotheke in die Freiheit entlassen. Kuala Lumpur: 28.02. - 01.03.02Der ca. einstündige Flug nach Kuala Lumpur (welches
allgemein nur als KL ("KeyEl") bezeichnet wird) verlief ohne Probleme. Weitaus länger als von Kota Bharu nach KL dauerte hingegen die Fahrt von KLIA ("KL International Airport") ins 60 km entfernte
Zentrum. In KL befinden sich die Petronas-Towers, die, dem WTC in NY nachempfunden, nicht erst seit dem 11. September mit ihren 451,9 Metern als die höchsten Gebäude der Welt gelten. Im
"Erdgeschoss" der Türme befindet sich eine Einkaufsmeile, die den Vergleich zu NY oder Paris nicht zu scheuen braucht. Alle Marken westlicher Exclusivkultur sind hier vertreten. Vor den Gebäuden befindet sich
ein riesiger Platz mit großem, computeranimiertem Springbrunnen, der Nachts in bunte Farben getaucht, wie eine Sinfonie aus Wasser und Licht wirkt. Nur die Affenhitze und die asiatisch aussehenden
Gesichter erinnerten hin und wieder daran, dass wir uns in Asien und nicht etwa in Amerika oder Europa befanden. Doch KL hat auch seine asiatische Seite. Chinesische Tempel, christliche Kirchen,
hinduistische Tempel und muslimische Moscheen stehen mit derselben Selbstverständlichkeit nebeneinander, so wie eben auch die Menschen mit ihren unterschiedlichen kulturellen Prägungen friedlich den Alltag teilen. Am 1. März hieß es dann Abschied zu nehmen. Marina flog nach Italien zurück, wo sie nach 2 monatiger Arbeitsabstinenz (sprich: Urlaub), wieder ihrem Brötchenerwerb nachkommen musste.
Wieder auf mich allein gestellt, versuchte ich im Restaurant "Deutsches Haus" Trost zu finden. Dort gab es original deutsches Weizenbier (Paulaner) das soviel kostete, wie eine 60 km weite Taxifahrt in
Malaysia. Die gebratene Ente mit Apfelrotkraut und Knödel schmeckte zwar ganz gut, doch wurde damit auch meine sowieso nicht sehr ausgeprägte Sehnsucht nach deutscher Hausmannskost weitgehend gesättigt. |